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„Europäische Einigung nicht gefährdet“

vom 21.06.2011

Kurt Biedenkopf spricht in Bissendorf

steb Bissendorf. Ex-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf hält die Europäische Union für gefestigt genug, die aktuellen Finanzprobleme zu überstehen. „Der Satz: ,Scheitert der Euro, dann scheitert auch Europa‘ stimmt nicht“, meinte Biedenkopf im Bissendorfer Solarluxforum beim Jahresempfang des Freundes- und Fördererkreises der Jungen Union Osnabrück-Emsland.

Europa sei mittlerweile durch die Arbeitsteilung so vernetzt, dass ein Auseinanderdividieren des europäischen Einigungsprozesses nicht mehr gelinge, zeigte sich der CDU-Politiker überzeugt. Allerdings brauche man ein Umdenken im Verhältnis zwischen Wirtschaft und Kultur. „Die Ökonomie ist nicht allein sinngebend, es fehlt bislang die geistig-kulturelle Integration“, sagte der 81-Jährige.

Auf dem Foto (von links): Der JU-Bezirksvorsitzende von Osnabrück-Emsland Benedict Pöttering, der Geschäftsführer von Solarlux Herbert Holtgreife, der Festredner Prof. Dr. Kurt Biedenkopf und der Vorsitzende des Freundes- und Fördererkreis der JU Prof. Dr. Hans-Gert Pöttering.

Mit Blick auf die finanziell angeschlagenen Staaten wie Griechenland, Spanien oder Portugal fragte Biedenkopf nach der „demokratischen Verwurzelung“ dieser Länder. „Alle waren bis Mitte der 70er-Jahre Diktaturen. Ertragen die Menschen dort eine Begrenzung durch die Politik?“ Gleichzeitig müsse man sich in Deutschland stets überlegen, ob auch die Bevölkerung hier etwa „Rentenkürzungen von 20 Prozent akzeptieren würde“, führte Biedenkopf aus.

In seinem Vortrag zur Zukunft Deutschlands und Europas appellierte er an die jungen Parteiaktivisten, weniger über ihre Karriereplanungen zu sprechen. „Überlegen Sie eher, wie angesichts des demografischen Wandels Ihre Stadt in 30 Jahren aussieht.“ Knapp die erste Hälfte der geburtenstarken Jahrgänge werde in elf Jahren in Rente gehen. Sie hätten aber ein Drittel weniger Kinder gezeugt. Das führe zu dramatischen Veränderungen, meinte Biedenkopf. Er prognostizierte, dass die „zentralistisch gesteuerten“ Sozialsysteme die Probleme nicht lösen könnten. Und: Ältere Menschen würden künftig wichtige Aufgaben in den Kommunen übernehmen.

Gleichzeitig lenkte Biedenkopf den Fokus auf die globale Entwicklung. Innerhalb einer Lebensspanne habe sich die Weltbevölkerung verdreifacht. „Was können wir tun, damit junge Menschen in China oder Brasilien sagen: Ja, wir brauchen Europa?“, fragte der CDU-Politiker.

Pressequelle: NOZ

Foto: JU Bezirksverband